Gut, liebe Freunde, Ihr habt es so gewollt.
Ich werde mir ersparen, die technische Seite des Lohmanns, seine Historie und alles das, was mit wenig Aufwand im Internet zu lesen ist, erneut hier vorzustellen, das ist schon vor Jahren von qualifizierteren Zeitgenossen dargestellt worden, und da zähle ich mich keinesfalls zu.
Mein Spaß an diesem ganz besonderen Hilfsmotor rührt aus den frühen 60igern. Gerade 14 Jahre alt, kein nennenswertes Taschengeld, aber den alten, kompletten Lohmann meines Papas im Keller, hatte ich den Wunsch, mich zu motorisieren.
Was lag näher, als dieses Motörchen in Augenschein zu nehmen, und, wenn möglich, wieder ans laufen zu bringen. Der Kolben saß fest, aber Papa hatte ja als Mathe-, Physik, Bio- und (sic!) Religionslehrer mit Werklehrerexamen eine einigermaßen ausgerüstete Werkstatt.
Der Motor war schnell zerlegt, der Kolben aus seiner Sack-Laufbuchse herausgeschlagen und die drei Kolbenringe dabei zerbrochen. Eine Neuanfertigung bei einem Kolbenring-Hersteller in Stuttgart verzehrte mein gesamtes Taschengeld (15,- DM). Sie waren ein ganz klein wenig zu groß, aber Dünnerschleifen von innen half über dieses vermeintlich kleine Manko. Der Motor wurde wieder zusammengebaut, Heizöl bei einem Freund aus dem Tank mit belichteter, ausgebauter Fotozelle abgepumpt und der Motor ans Fahrrad gebaut.
Anscheinend waren die Simmerringe des alten Motors noch einigermaßen dicht und der Motor sprang nach Vorheizung mit einem kleinen Tinol-Spiritus-Lötlämpchen knatternd an. Leider waren die drei Kolbenringe nicht wirklich dicht und der Motor verbrauchte ca. 20 Liter Heizöl auf 100 Km. Eine großartige weißliche Abgaswolke zog ich hinter mir her, die ich dann mit einem alten Staubsaugerrohr schräg nach hinten-oben führte. Wie ich damals meinte, sah das einfach nur gut aus. Ich war damals, ohne es zu wissen, wahrscheinlich Trendsetter, denn 1969 zeigte der Kultfilm "Easy Rider" meine Erfindung des hochgezogenen Auspuffs der ganzen staunenden Welt.
Es war meine erste Motorisierung in meinem Leben und ich werde dieses erhabene Gefühl bei meiner ersten Ausfahrt niemals vergessen.
Der Lohmann war jedoch grenzwertig und lief nicht wirklich gut. Einige Male war mir Heizöl in der Reserveflasche im Schulranzen ausgelaufen und war das nach sich zieht, könnt Ihr Euch lebhaft vorstellen. Bald folgte dann für 15,- Mark ein 49 ccm Rex am Riemen, Lenkermotor, der sich weniger kapriziös zeigte.
Der Lohmann blieb mir aber unvergessen und als ich die Möglichkeit fand, einen solchen Motor in der "Bucht" zu erwerben, habe ich zugeschlagen.
Natürlich lief der Motor nicht und professionelle Hilfe war notwendig. Die fand ich dann bei den Fahrradhilfsmotorfreunden in Bremen um Uwe Peters und es entwickelte sich mit den Leuten dort eine herzliche Freundschaft, die auch heute noch besteht.
Der Lohmann ist ein ganz besonderer HiMo. Keine Elektrik, kein echter Vergaser, kein gewohnter Zweitakt-Auspuff bei den frühen Modellen, kein üblicher Betriebsstoff,
dafür eine Kompression im Startmodus von 1:125, eine Laufbuchse, die sich während der Fahrt verschieben lässt und somit eine Hubraumveränderung bewirkt. Drehzahlen, die an Rennmotoren erinnern (bis 10.000) und ein infernalisches Knattern, welches den heutigen Bestrebungen nach Lautlosigkeit diametral entgegen steht.
Den Hubraum des Lohmanns über 18 ccm zu vergrößern, hätte keinen Sinn gemacht, er wäre bei der Startverdichtung von 1:125 nicht mehr zu anzutreten gewesen. Heute noch fordert der Lohmann den ganzen Mann/Frau. Gnade Gott, er springt nicht an, nach 300 Metern antreten möchte man ganz gerne sterben.
Der Lohmann wird mit zwei drehbaren Griffen am Lenker gefahren. Links wird die Kompression beeinflusst, rechts wird Gas gegeben.
Zum Starten (es empfiehlt sich, ein wenig mit einem Gasbrennerchen den Zylinder vorzuwärmen) wird mit dem linken Drehriff die Laufbuchse bis zum Anschlag auf höchste Verdichtung gestellt, dabei öffnet sich jedoch in der Laufbuchse ein zentrales Dekoventil und das Fahrrad wird, pedalgetrieben, in Bewegung gesetzt. Der ans Hinderrad gedrückte Motor setzt sich relativ leicht, ohne Kompression in Rotation.
Hat man nun eine ausreichende Geschwindigkeit erreicht, nimmt man den rechten Drehgriff ein wenig zurück, das Dekoventil schließt in der Laufbuchse, und gleichzeitig wird mit dem rechten Drehgriff Vollgas gegeben.
Hat man einen sauber abgedichteten Motor mit gutem Kolben, guten Ringen und gut gelagerter Kurbelwelle, den Mischer (Einfachvergaser) sauber eingestellt, keine Luft-Blase im Petroleumschlauch, springt der Motor mit einem Stoßgebet zum Hl. Antonius, (u.a. Patron gegen teuflische Mächte) an.
Dabei ist zuerst nur ein ganz leises Knattern zu hören. Ist das so, muß man sofort die Kompression mit dem linken Drehgriff optimieren, während man am rechten Drehgriff das Gas optimiert. Dieses Optimieren verlangt ein gutes "sich in den Motor hineinhören". Überhaupt wird der Lohmann nach Gehör gefahren. Während der Fahrt muss laufend auf den Motor gehört werden. Stimmt der Arbeitspunkt des Kolbens nicht ganz. ist das zu hören, wird die Gasgabe vernachlässigt, ist das zu hören. Rutscht die Antriebswalze auf nassem Reifen, ist das zu hören.
Schreien die Passanten auf der Straße wegen des Petroleumgestanks und des infernalischen Knatterns, ist das auch zu hören. (So optimiert man während der gesamten Fahrt permanent den (gut hörbaren) besten Arbeitspunktes des Motors, d.h. man dreht fortwährend!!!! an den beiden Drehgriffen (mehr Gas, ein Hauch weniger Kompression, oder umgekehrt) ein Ausruhen auf irgendeiner Einstellung ist nur ganz selten möglich. Übrigens ist das Lohmannfahren für Leute mit Rheuma in den Händen durch die ewige Dreherei an den Lenkergriffen auf die Dauer sehr anstrengend and schmerzhaft.
Hören ist beim Lohmannfahren überhaupt das Wichtigste. Auch die (gut hörbare) Drehzahl sollte nicht zu hoch gewählt werden, sie steigt kontinuierlich an, da ja keine elektrische Schikane im Lohmann eingebaut ist (Frühzündung, Spätzündung, Drehzahl-begrenzendes Modul usw.).
Dreht der Motor zu hoch, wird er zu heiß, Schmierfilmabriss führt zum Kolbenklemmer oder Fresser. Und das ist fatal, denn im Handel sind keine neuen Kolben erhältlich.
Gefahren wird Zweitaktergemisch bei der Einfahrt: Öl - Petroleum 1:20, später 1:25.
Die Gefahr des Schmierfilmabrisses besteht auch bei der Talfahrt ohne Antieb. Wird das Gas fortgenommen, und der Motor nicht manuell vom Hinterrad genommen, droht Kolbenfresser. Man muss als den linken Drehgriff bis zum Anschlag drehen, das Dekoventil öffnet, der Antrieb ist unterbrochen. Gleichzeitig muss ein wenig Gas gegeben werden, welches den laufenden Kolben schmiert. Das zeitigt
natürlich eine hübsche Rauchwolke, Knallen und ggf. schreiende Spaziergänger. ("Homo clamans simplex", der einfache schreiende Zeitgenosse in Volkslatein)
Der Lohmann war zu seiner Zeit eine geniale Erfindung, um die Volksmobilität in der "Schlechten Zeit" zu verbessern. Er war einer der preiswertesten Motoren, einfach gebaut, schön, leicht, und übersichtlich. Er wurde in der SBZ, Ostzone, DDR kopiert (Haza), in Österreich. Spanien und Japan und wer weiß wo noch, nachgebaut und stellt heute in meinen Augen einen der schönsten Hilfsmotoren dar. (natürlich Geschmackssache)
Die Saxo ist für alle Tage des Jahres gut, der Lohmann sollte nur den ganz besonderen Feiertagen vorbehalten sein.
(Wer sich gerne in den bewundernden Blicken der Besucher eines Treckertreffens sonnen möchte, sollte mit seinem Lohmann dort hinfahren. Was ist schon ein schön restaurierter Lanz Glühzünder gegen einen laufenden Lohmann Kompressionszünder, ha!)
Noch Fragen, dann nur zu.
Gruß Winfried