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Allgemeines Quasselforum

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Mein erster Ungarnurlaub Sommer 1972

Warum sollte ich denn nun in Gottes Namen nach Ungarn fahren? Hatte ich nicht ganz Westeuropa zur Verfügung? Italien, Frankreich Spanien, war doch so schön. Da war ich immer mit dem Wetter zufrieden, oder einfach nur Bayern, ein wenig Bergwandern, oder das freundliche Österreich, warum also Ungarn? Es gibt nur eine Erklärung: Es wurde ganz einfach zum Treffpunkt zwischen uns und der Schwester meiner Frau.
Alles hatte eigentlich damit angefangen, dass meine Schwiegermutter aus der DDR bei uns zu Besuch kam, da sie Rentnerin war. Sie fing dann irgendwie an zu nerven, wir sollten noch mal zur DDR kommen, weil ja nun die Schwester nicht kommen dürfte. Ich hatte aber der Schwester schon öfters angeboten, uns in Ungarn zu treffen, da ich das von Campingfreunden wusste. Gut, meine Schwiegermutter fuhr zurück, und es dauerte nicht lange da kam die Zustimmung wir treffen uns. Termin war ausgemacht, also fuhren wir los.
Ab Nürnberg wurde es schwierig, die Autobahn Passau - Linz, da waren noch sehr große Lücken, die war noch nicht fertig. In Passau musste man mitten durch die Stadt fahren, und dann ging es die B 8 bis Linz. Eine wunderschöne Strecke. Auch in Wien musste man mitten durch die Stadt, und dann die Strasse 10 bis Nickeldorf. An der Grenze musste man zuerst mal für ein Visum anstehen. Nach ca. 2 Stunden hatte ich das Visum. Der Pflichtumtausch pro Person betrug 17 DM pro Tag des Aufenthalts. Fuhr man früher zurück, bekam man das Geld nicht wieder, sondern musste das an der Grenze deponieren, da man Geldscheine nicht ausführen durfte. Dann noch 2 Stunden warten am Übergang, dann waren wir im Land und sind zum Balaton gefahren.
Nach der Besichtigung von ein paar Campingplätzen sind wir in Zamardi gelandet, und haben meiner Schwägerin eine Karte geschickt, die kamen eine Woche später,und mussten ja wissen wo wir sind. Wer hatte damals ein Handy oder in der DDR ein Telefon?


Tage später kommt ein DDR Mann, der Wilfried aus Zwicke und fragt: Kollege hast du einen 14 Ringschlüssel? Nein, sage ich, ich habe einen Nusskasten, schau mal, ob du den brauchen kannst? Er konnte den Kasten brauchen, und am anderen Tag brachte er den zurück, mit einer Einladung, ich sollte abends auf ein Bier vorbeikommen. Dann wurde erzählt, und er sagte, bei uns die Leute sind doch verrückt, wenn einer kommt und sagt, in Berlin gibt es keine Schnürsenkel, dann läuft alles Schnürsenkel kaufen. Neulich kam einer, und sagte in Berlin gibt es keine Haarklemmen, da sind sie alle wieder losgerannt und haben gekauft. Ich habe das denn auch ein bisschen als Märchen aufgefasst.
Nach ein paar Tagen kam dann die Schwägerin mit Mann und Sohn und baute neben meinen Wohnwagen das Zelt auf. Ganz aufgeregt kam der Direktor gelaufen und sagte, Ost und West nebeneinander, das ist nicht gut. Ich habe dann gesagt schauen sie mal, nicht Ost und West, die 2 Frauen sind Schwestern. Schwester? Meinte er. Dann ist er abgezogen. Wir sind dann an einen Tag nach Siofok gefahren, an die Geschäfte geschaut, und damals hatten die die Geschäfte schon schön dekoriert, und an einen Geschäft sagt meine Schwägerin zu ihren Mann, was meinst du, sollen wir mal hier reingehen, und fragen, ob die Haarklemmen haben?
Solche Treffen machten wir bis 1980 alle 2 Jahre, zwischendurch fuhr jeder hin, wohin er wollte. Was mir damals aufgefallen ist, die DDR Leute wunderten sich am meisten, das es so ein reichhaltiges Angebot gab, an Waren, Lebensmittel, und vor allen Dingen, das es das jeden Tag gab. Oft habe ich mich geschämt als Westdeutscher, wie die Westdeutschen mit den Ostdeutschen umgingen, wenn sie versuchten, billige Strumpfhosen aus dem Aldi teuer zu verkaufen, oder nur schon wie sie mit den Leuten umgingen.
Bei der Ausreise war es einmal 4 Stunden, die ich gewartet habe ehe ich von Mosonmagyarovar bis an der Grenze war.
Aber trotz allen war es für uns eine schöne Zeit, und wenn ich heute höre, das junge Menschen sagen, hoffentlich fällt bald die Grenze weg, dann denke ich immer: Mein Freund, du kannst froh sein, das du die früheren Zeiten nicht hast kennen gelernt.
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde - Thumbnail von Herbert Herbert Administrator - 25.12.20 12:55 Uhr Klicks:19
Gelöscht - Thumbnail von Alpenflitzer Alpenflitzer - 25.12.20 15:06 Uhr Klicks:17
Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde - Thumbnail von Herbert Herbert Administrator - 25.12.20 17:09 Uhr Klicks:20
Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde - Thumbnail von Herbert Herbert Administrator - 25.12.20 16:52 Uhr Klicks:16
Gelöscht - Thumbnail von Alpenflitzer Alpenflitzer - 26.12.20 11:27 Uhr Klicks:22
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