Anzeige:

Saxonette- und Spartamet- Forum

Zurück zu: Saxonette- und Spartamet- Forum | Kompletter Thread
Vorweg: ich erwarte keinen seelischen Beistand und helfen kann mir sowieso keiner. Ich schreibe hier nur, weil ich es irgendwo loswerden muss.

Nachdem der Motor heute früh hoffnungsvoll schnurrte und die Sax tagsüber brav in der Tiefgarage stand wollte ich nach Feierabend heimfahren. Startet nicht. Nichtmal ansatzweise. Ich ziehe, ziehe, ziehe. Sprit war im Tank und der war genauso sauber wie der Vergaser und seine Innereien. Mit Choke, ohne, keine Chance. Und kein Werkzeug. Nachdem ich mir beim Ziehen noch eine fies aussehende Prellung (Hand vs. Gepäckträger) zugezogen hatte, bin ich heimgetreten. Natürlich fing es an zu regnen. Also Kapuze über den Kopf, die Brille fällt mir runter, Vollbremsung und ich steige fast über den Lenker ab. Hydraulikbremse… Das Publikum an der Bushaltestelle ruft mir zu: „Da hängt was langes aus der Tasche!“. Ah, die Hülle vom Angelschirm, ich vergaß, ich trage heute ja die Angeljacke. War kurz davor zu fragen: „Habt ihr nicht einen Tankdeckel gesehen?“ Ein Bild für die Götter: Anzughose, schicke Halbschuhe und weißes Hemd, darüber eine Outdoorjacke Modell „Rambo“, Fahrradhelm Größe 64, darunter ein beleibter und ergrauter Typ auf einem Oma-Fahrrad mit Nummernschild und Tiefeinstieg, der nicht fahren kann. Hätte ich im Schritt noch drei Meter Klopapier hinter mir hergezogen, es hätte keinen Unterschied gemacht.

Klatschnass zuhause angekommen, direkt Zündkerze raus: kein Zündfunke. Und sie hat den falschen Wärmewert, wie vermutet. Sie ist dreckig, aber nicht nass. Sauber gemacht, Zündfunke wieder da. Rein damit, Luftfilter ab, Startversuch, nix. Startpilot: sie zündet und läuft kurz. Benzinschlauch ab und Benzinhahn auf: ein dürres Rinnsal, das war ja vor der Tankreinigung besser. Benzinhahn wieder zu, dabei den offenen Kanister umgeworfen, jetzt riecht es im ganzen Haus nach Sprit. „Das war‘s für heute“ denke ich, da fällt mein Blick auf den Bowdenzug der stillgelegten Bremse, der noch vorne rumbaumelt. „Ach komm, wenigstens das noch“. Die gute Zange ist unauffindbar, also nehm ich die andere Marke „Werbegeschenk“. Setze an, das geht aber schwer, also volle Pulle, KNACK! Zange bricht entzwei und schlitzt mir den Handballen auf.

Das ist wohl so eine Mischung aus abgesoffen und Dreck im System. Wo auch immer der herkommen soll. Vielleicht war auch jemand neidisch auf meinen Feuerstuhl und hat mir in den Tank gepisst, wer weiß das schon.

Mein Plan: Vergaser nochmal raus und das ganze Programm von vorn, diesmal mit komplett neuen Dichtungen, neuer Schwimmernadel und neuer Membran. Die alte sieht gut aus, aber wer weiß. Richtige Düse rein. neuer Benzinhahn, neuer Tank (von der Spartamet „Rabbit“ zwecks Entfernung des Gepäckträgers sowieso vorgesehen), frischer Sprit in neuem Kanister mit exaktem Ölanteil, neuer Benzinschlauch. Richtige Kerze und korrekter Elektrodenabstand, neues Zündkabel und ein neues Starterseil, das alte löst sich auf. Ist alles bestellt und im Zulauf. Der Luftfilter bleibt, der isses nich. Und weil der Vorbesitzer noch einen neuen Auspuff mitgegeben hat, kommt der auch noch dran. Jetzt erst recht.

Normalerweise ist das Ausschlussverfahren besser, das weiß ich. Aber an dieser Mühle stimmt gar nix. Als ich sie gekauft habe, sprang sie beim ersten Zug an und fuhr wie entfesselt. Was hat der Vorbesitzer dafür gemacht, kann der zaubern? Lastet auf mir ein Fluch? Oder auf der Saxonette? Wurde sie einst einer betagten Gräfin geklaut, die nun durch meinen Keller spukt? Oder bin ich einfach nur zu blöde?

Jetzt liegt es erstmal an den geschätzten Paketboten. Ich glaube immer noch daran, dass alles gut wird. Meine größte Sorge derzeit ist nur, dass - nach meinem Tod - meine Frau dieses Gefährt für das Geld verkauft, das ich angeblich dafür bezahlt habe…

Schönen Abend und viele Grüße
Sven
Um antworten zu können, musst Du Dich erst registrieren
Anzeige: